Kräuterbitter
Das Gläschen, das nach dem Essen auf den Tisch kommt: dunkel, würzig und bittersüß. Was Kräuterbitter genau ist, welche Stile es gibt, wie er schmeckt, wie man ihn trinkt und welches Glas dazu passt.


Die bekanntesten Kräuterbitter
Vier Flaschen, die man in nahezu jeder Bar findet, von süß und eiskalt bis vollständig trocken.

Jägermeister
Seit 1934 aus Wolfenbüttel, mit 56 Kräutern, Wurzeln, Blüten und Gewürzen und einem Jahr Reifezeit in Eichenfässern. Der süßeste dieser Auswahl und am besten direkt aus dem Gefrierfach.
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Underberg
Kräuter aus 43 Ländern, seit 1846 in braunes Papier gewickelt. Zuckerfrei, ausgesprochen bitter und als eine Portion nach dem Essen gedacht.
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Fernet-Branca
Der Mailänder Amaro aus dem Jahr 1845 mit mehr als 27 Kräutern, mentholartig und intensiv bitter. Unter Barpersonal gilt ein Shot Fernet als Getränk unter Kollegen.
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Schrobbelèr
Der Brabanter Kräuterlikör mit 43 Kräutern, seit 1965. Mild, süß und mit 21,5 % die leichteste Flasche dieser Auswahl, untrennbar mit dem Karneval verbunden.
Mehr über Schrobbelèr →Jeder Kräuterbitter auf einen Blick, nach Marke
5 Marken und 2 Sorten, jeweils mit einer eigenen Seite zu Geschmack, Cocktails und dem richtigen Glas.
Kräuter, Wurzeln und Schalen in destillierten Getränken
Kräuterbitter ist ein destilliertes Getränk, das mit Kräutern, Wurzeln und Schalen aromatisiert wird. Dazu gehören etwa Enzianwurzel, Anis, Ingwer, Süßholz, Safran, Lorbeer und Zitrusschalen; die Rezepturen reichen von einer Handvoll Zutaten bis weit über fünfzig und sind bei nahezu jeder Marke geheim. Das Ergebnis ist dunkel, würzig und meist bittersüß: zunächst ein süßer Auftakt, danach die Bitterkeit der Wurzeln. Der Alkoholgehalt liegt größtenteils zwischen 20 und 45 %, wobei die süßeren Flaschen am unteren Ende dieser Spanne liegen und die trockenen, deutlich bitteren am oberen.
Die Herstellung ist überall ungefähr gleich. Die Kräuter ziehen wochen- bis monatelang in Alkohol, manchmal werden sie destilliert, und anschließend ruht die Mischung oft noch eine Zeit lang in Eichenfässern. Wie viel Zucker schließlich hinzugefügt wird, bestimmt, in welche Kategorie die Flasche fällt: Enthält sie mehr als hundert Gramm Zucker pro Liter, gilt sie rechtlich als Likör. Deshalb wird Jägermeister offiziell als Kräuterlikör bezeichnet, während Underberg keinen zugesetzten Zucker enthält und rein bitter ist. Im Handel stehen sie einfach nebeneinander, denn in der Praxis verwendet man sie auf dieselbe Weise.
Und dieses Trinken folgt fast immer demselben Ritual: nach dem Essen, in einem kleinen Glas mit zwei bis vier Zentilitern. Bitterstoffe wie Enzian regen die Verdauung an, und genau deshalb wurden diese Getränke einst als Medizin entwickelt und später als Digestif auf dem Tisch beibehalten. Die Temperatur hängt von der Marke ab. Ein süßerer Kräuterbitter kommt eiskalt aus dem Gefrierschrank am besten zur Geltung, weil die Kälte die Süße dämpft; einen trockenen italienischen oder deutschen Bitter schenkt man dagegen bei Raumtemperatur aus, damit sich die Kräuter entfalten.
Kurz gesagt
Fünf Stile, von weich und süß bis vollkommen trocken
Jedes Land hat seine eigene Variante, und der Unterschied liegt vor allem im Zuckergehalt und darin, wie weit die Hersteller die Bitterkeit gehen lassen. Eine Flasche aus dieser Reihe trinkt man nicht, sondern verwendet sie tropfenweise.

Deutscher Kräuterlikör
Die süßere Variante: viele Kräuter, ein Jahr in Eichenfässern und genug Zucker, um die Bitterkeit zu bändigen. Dunkel, wärmend und der bekannteste von allen. Wird eiskalt aus dem Gefrierschrank getrunken.

Digestifbitter
Trocken, kräftig und ohne zugesetzten Zucker, gemacht zum Trinken nach einer schweren Mahlzeit. Underberg verkauft ihn nur in Portionen von 2 cl, denn mehr ist nicht vorgesehen.

Italienischer Amaro
Die italienische Variante, von leicht bitter bis extrem bitter. Fernet-Branca liegt am äußersten Ende: mentholartig, medizinisch und kaum süß. In Argentinien wird er mit Cola getrunken.

Niederländischer Kräuterbitter
Beerenburg auf Wacholderbasis aus dem Norden und Schrobbelèr aus Tilburg. Weniger alkoholhaltig, milder und süßer als die deutschen und italienischen Flaschen und fast immer eiskalt ausgeschenkt.

Cocktailbitters
Kein Digestif, sondern ein Aromageber. Eine konzentrierte Tinktur aus Enzian und Gewürzen, von der ein paar Tropfen reichen, um einem Cocktail Tiefe zu verleihen. Pur ist er unerträglich scharf.
Fast jedes Land stellt seinen eigenen Kräuterbitter her, und im selben Regal stehen die bittersüßen italienischen Aperitifs.
Bittersüß, würzig und warm
Kräuter & Wurzeln
Ein dichtes Bouquet aus getrockneten Kräutern, Wurzeln und Backgewürzen: Anis, Ingwer, Nelke und Süßholz, darunter die erdige Note von Enzian. Bei den süßeren Marken kommt Karamell hinzu.
Bittersüß und voll
Meist zunächst süß und sirupartig, danach zieht sich die Bitterkeit über die Zunge. Je weniger Zucker, desto früher setzt die Bitterkeit ein: Bei einem trockenen Digestifbitter ist sie sofort da, und die Süße bleibt vollständig aus.
Lang, warm und kühlend
Die Kräuter bleiben minutenlang präsent, oft mit einer mentholartigen, kühlenden Note. Genau dieser Effekt macht ein kleines Gläschen nach einer üppigen Mahlzeit so angenehm.
Durchschnittliche Einordnung der Kategorie. Jägermeister und Schrobbelèr liegen beim Süßegrad höher; Underberg und Fernet-Branca erreichen bei Süße etwa 1 und bei Stärke etwa 4.
Drei Arten, Kräuterbitter zu trinken
Die Portion bleibt immer klein: Zwei bis vier Zentiliter reichen. Nur die Temperatur variiert, und die hängt davon ab, wie viel Zucker in der Flasche steckt.
Eiskalt als Shot
Stellen Sie die Flasche ein paar Stunden ins Gefrierfach und schenken Sie 2 bis 4 cl in ein vorgekühltes Schnapsglas. Bei 35 % gefriert nichts, das Getränk wird nur dickflüssiger und deutlich weniger süß. So trinkt man Jägermeister, und so schenkt Brabant auch seinen Schrobbelèr aus.
Das richtige Glas →Als Digestif nach dem Essen
Ein trockener Kräuterbitter möchte gerade nicht eiskalt serviert werden: Schenke 2 bis 4 cl bei Raumtemperatur in ein kleines Glas mit Stiel und lass ihn kurz stehen. Erst dann kommen die Kräuter richtig zur Geltung. Underberg trinkt man in einer Portion von 2 cl, Fernet-Branca in einem Schnapsglas.
Über Underberg →Mit Cola oder Tonic
4 cl Kräuterbitter auf etwa 12 cl eiskalte Cola in einem mit Eis gefüllten Longdrinkglas, mit einer Orangenscheibe. In Argentinien heißt diese Kombination mit Fernet-Branca Fernandito; in Friesland macht man dasselbe mit Beerenburg. Tonic funktioniert ebenfalls und macht den Drink trockener.
Über Beerenburg →Die bekanntesten Cocktails mit Kräuterbitter
Ein Kräuterbitter zum Trinken kommt mit 1 bis 2 cl in einen Cocktail; Cocktailbitters wie Angostura dagegen mit ein paar Spritzern. Beide Rollen findest du weiter unten.

Jägerbomb
Ein Shot Jägermeister, der in ein Glas Energydrink sinkt. Schnell, süß und laut.
Hanky Panky
Gin und roter Wermut mit einem Schuss Fernet-Branca, der dem Ganzen eine würzige Note verleiht.
Old Fashioned
Whiskey, Zucker und ein paar Spritzer Angostura auf einem großen Eiswürfel.
Manhattan
Whiskey und roter Wermut, mit Bitters gerührt und eiskalt eingeschenkt.Das richtige Glas für Kräuterbitter
Klein ist der Ausgangspunkt: ein Shotglas, wenn er aus dem Gefrierfach kommt, ein Schnapsglas mit Stiel für den Digestif. Kommt Cola dazu oder machst du einen Cocktail daraus, greifst du zu einem größeren Glas. Das sind die Gläser, die wir selbst empfehlen.
Alles, was du noch über Kräuterbitter wissen wolltest
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